Die SPD-Fraktion wendet sich mit einem Brief zum Kinderschutz an den Bürgermeister von Dorsten.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
anlässlich des jüngsten dramatischen Vorfalls in Dorsten (Tod eines Säuglings durch Gewalteinwirkung) fordert die SPD-Fraktion eine Intensivierung der Bemühungen zum Schutz von Kindern und der Verbesserung ihrer Lebenssituation. Auch wenn in diesem konkreten Falle weitergehende Maßnahmen möglicherweise nicht gegriffen hätten, sollten Sie die Anfang des Monats öffentlich von der SPD eingebrachten Vorschläge prüfen und als Diskussionsgrundlage für die gemeinsame Sitzung des Sozial- und Jugendhilfeausschusses berücksichtigen:
- Schaffung neuer Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe (u.a. durch die Zusammenlegung von Jugend- und Sozialhilfe, Schul- und Wohnungsangelegenheiten in eine einheitliche Organisationsform)
- Ausbau der Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Schulen, Kindergärten, Ärzten und Akteuren im Bereich der Jugendhilfe (evtl. auch Einbeziehung von Seniorexperten als ehrenamtliche Unterstützer)
- Umsetzung des neuen Schutzauftrages bei der Gefährdung des Kindeswohls mittels verbindlicher Vereinbarungen mit allen Trägern der Freien Jugendhilfe und der Schulen
- Aufbau eines Frühwarnsystems zur Vermeidung von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (z.B. durch ein Babybegrüßungspaket zwecks Information und Anbieten notwendiger Hilfe, Initiative der Ev. Kirche vor Ort)
- Kostenloser Zugang für bedürftige Kinder, u.a. in Bibliotheken und Schwimmbäder.
Insbesondere sollte bei der Prüfung der angegebenen Maßnahmen das sog. Dormagener Modell (Dormagener Qualitätskatalog der Jugendhilfe) zu Rate gezogen werden, zumal inzwischen auch das Land NRW beabsichtigt, seinerseits ein an diesem Modell ausgerichtetes Angebot für alle Kommunen vorzubereiten. Des Weiteren sollte auch in Dorsten ein Netzwerk der verschiedenen Anbieter und Dienste aus dem Bereich der Tagesstätten, des Allgemeinen Sozialen Dienstes, der Familienberatung und des Gesundheitswesens gebildet bzw. vorhandene Strukturen verstärkt werden, um die Bedarfslage gemeinsam analysieren, die Dimension der Kinderarmut in Dorsten genauer erfassen und Angebote noch besser darauf abstimmen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Denniger
(Fraktionsvorsitzender)