Dirk Schult, SPD-Ratsherr aus Holsterhausen. Jede Stimme zählt – mit diesem Argument ziehen Demokraten aller Parteien in den Wahlkampf, um Wählerinnen und Wähler von der Wichtigkeit zu überzeugen, zur Wahl zu gehen. Und wie richtig dieses Argument ist, bewies die Landtagswahl in Niedersachsen eindrucksvoll. Schon das Endergebnis zeigt, wie knapp die Wahl ausging: gerade einmal 0,3 Prozentpunkte hatten SPD und Grüne mehr als CDU und FDP. Aber wie knapp es wirklich war, verdeutlichen folgende zwei Beispiele:
Den Wahlkreis Hildesheim gewann die SPD – der CDU-Bewerber hatte nur 335 Stimmen weniger. Hätte der CDU-Kandidat diesen Wahlkreis gewonnen – Schwarzgelb hätte im Landtag einen Sitz mehr gehabt als Rotgrün.
Oder die Leihstimmen der CDU an die FDP. Rund 100.000 CDU-Wähler liehen der FDP ihre Stimme. Wenn die FDP noch 2000 Stimmen mehr geschenkt bekommen hätte, dann hätte die FDP noch einen Sitz mehr im Landtag bekommen – und Schwarzgelb gewonnen.
Und dennoch hätte Schwarzgelb mit dem Wahlergebnis eine Mehrheit der Sitze im Landtag bekommen können – wenn die Sitzverteilung nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren erfolgt wäre. In diesem Fall hätte die FDP einen Sitz mehr erhalten (zu Lasten der SPD), Schwarzgelb hätte weiter regieren können. Nur – in Niedersachsen wird die Sitzverteilung nach dem Verfahren d´Hondt ermittelt. Dieses Verfahren begünstigt tendentiell größere Parteien (im Gegensatz zum Hare-Niemeyer-Verfahren, das kleinere Parteien begünstigen kann). Daß nach d´Hondt und nicht nach Hare-Niemeyer gerechnet wird, das hatte einst die CDU im Alleingang beschlossen. Ein Eigentor!