Dirk Schult, Vorsitzender der SPD Holsterhausen Das italienische Parlament hat Freitag beschlossen: In Italien wird wieder Strom aus Kernenergie produziert. Italien hatte als Reaktion auf den Reaktorunfall in Tschernobyl (1986) seine Atomkraftwerke geschlossen. Unter Berlusconi kommt jetzt wieder die Energierolle rückwärts. Auch in Deutschland bekämpft die Atomlobby den beschlossenen Atomausstieg, die Reaktoren sollen länger am Netz bleiben. Zwei Argumente sollen uns Verbrauchern diese Risikotechnologie "schmackhaft" machen: billiger Strom und CO2-arme Produktion.
Diese Argumente sind falsch! Billig ist der Strom nur für die Atomkraftwerksbetreiber - ihre Anlagen sind längst abgeschrieben, seitdem wird in diesen Meilern in erster Linie nur eines produziert: Geld für ihre Betreiber. Sie stecken sich den Kostenvorteil in ihre eigene Taschen. Es stimmt zwar, daß bei der Stromproduktion im Atomkraftwerk weniger CO2 anfällt als z. B. bei Kohlekraftwerken. Aber ein Atomkraftwerk ist nicht CO2-frei. Außerdem gibt es eine Reihe von Techniken, die wirklich ohne CO2 auszustoßen Strom produzieren: Wasserkraft-, Wind- und Sonnenkraftwerke.
Kein Wort verliert die Atomlobby dagegen über die nach wie vor unkalkulierbaren Risiken. Soeben mußte das Kernkraftwerk Krümmel wieder abgeschaltet werden - dabei war es erst zwei Jahre lang gründlich untersucht worden. Aber kaum wieder ans Netz gegangen, kam der nächste Störfall. Und was ist mit der Endlagerung des Atommülls? Bislang gibt es kein Endlager, kein Endlagerungskonzept. Das ist ungefähr genauso, als würde jeder seinen Müll einfach aus dem Fenster raus werfen. Und sich denken: Wir finden dann irgendwann eine Lösung. So sah es bei uns schon mal aus - im Mittelalter...
Was hat das alles mit Dorsten zu tun? Eine ganze Menge, denn: 2011 läuft der Konzessionsvertrag mit RWE aus. Dorsten kann sich dann entscheiden, wer danach unsere Stadt mit Strom beliefern soll: Soll es wieder einer der großen Energieproduzenten sein - oder setzt Dorsten auf eine eigene Lösung? Stichwort Stadtwerke - hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Dorstener Stadtwerke könnten mit anderen Stadtwerken kooperieren, Dorstener Stadtwerke könnten den Strom selber produzieren. Und damit ganz ohne Atomstrom auskommen.
Hier liegen Chancen für die Stadt Dorsten. In kleinen Einheiten kann Strom klimagünstiger hergestellt werden als durch die großen Energieversorger. Kraftwärmekopplung heißt die Zukunftstechnologie. In kleinen Einheiten wird dabei nicht nur Strom hergestellt. Die abfallende Wärme wird gleichzeitig zum Beheizen von Häusern und Wohnungen genutzt. Die großen Energieversorger haben aber an dem flächendeckenden Einsatz dieser Technologie kein Interesse, weil die Abwärme ihrer großen Kraftwerke nur zum geringen Teil zum Beheizen von Privatwohnungen genutzt werden kann (Die Anlagen stehen zu weit weg, es müßten erst große Leitungssysteme errichtet werden).
Stadtwerke können diese Technologie sinnvoll und im großen Stil nutzen. Als einen Baustein für ein neues Energieversorgungskonzept. Weitere Bestandteile: der Ausbau der Solarenergie. Solide geführt, arbeiten Stadtwerke mit Gewinn. Anstatt diese Gewinne wie bei den großen Energieversorgern an die Vorstandsmitglieder und Aktionäre auszuschütten, könnten die Gewinne zur energetischen Erneuerung der Stadt Dorsten verwendet werden. Öffentliche Gebäude könnten eine neue Wärmeisolierung, Privatleute einen günstigen Kredit zur Installation von Solardächern erhalten.
Die Option "Stadtwerke" ist nach der Wahl unverzüglich zu prüfen. Das Jahr 2011 ist nicht mehr fern...