Dirk Schult, SPD-Ratsherr aus Holsterhausen. Verläuft alles wie geplant, wird das Gesetzgebungsverfahren für den Atomausstieg im Juli beendet sein. Nach und nach schaltet dann Deutschland seine Atomkraftwerke ab. Nicht abschalten kann dagegen RWE-Chef Großmann. Dieser pöbelt sich seit Wochen durch sämtliche Medien und gibt den Prozesshansel. Großmann legte in der letzten Woche nach. Malte ein düsteres Bild von Deutschlands Zukunft. Nach Großmann ist nicht nur RWE in Gefahr, sondern gleich die ganze Industrie. Diese würde sich aus Deutschland zurückziehen. Ein Deutschland ohne Industrie?
Diese Gefahr bestand tatsächlich mal. In den 1940er Jahren nämlich. Mitten im zweiten Weltkrieg gab es den sog. Morgenthau-Plan. Nach dem sollte Deutschland nach dem Sieg der Alliierten ein reines Agrarland werden. Morgenthau-Großmann müssen wohl die alten Pläne in die Hände gefallen sein…
Mal Klartext zu den Theorien des Untergangspropheten Morgenthau-Großmann. Vor rund 10 Jahren handelte die damalige rotgrüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder den Atomausstieg aus. Im Konsens! Die deutschen Energieunternehmen hatten 10 Jahre Zeit, sich auf das Ende der Atomkraft einzustellen. Wo sind denn nun die Pläne von RWE für die Zeit nach dem Abschalten? Fehlanzeige – unter Großmann scheint der Konzern bis heute seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben.
Ja, der Ausstieg aus der Atomenergie ist nicht einfach – und sicher nicht ohne Risiko. Anfangs. Aber der Einstieg in die Erneuerbaren Energien ist vor allen Dingen eines: eine große Chance! Deutschland kann Vorreiter werden, was ökologische Energiegewinnung angeht. Deutsche Ingenieure können die Technik von morgen und übermorgen entwickeln, deutsche Arbeiter diese Produkte in gewohnter Spitzenqualität fertigen. Diese Technik kann ein Exportschlager werden! Wie das geht, bewies Deutschland im 19. Jahrhundert. Da stand unser Land an der Spitze des Fortschritts, seine Erfindungen waren weltweit gefragt. Damals schmiedeten deutsche Ingenieure, Techniker und Arbeiter den Mythos „Made in Germany“. Ein Qualitätssiegel, das heute noch gilt.
Aber dazu braucht es auch Chefetagen, die mutig und mit Zuversicht ihre Aufgaben angehen. Konzernführer wie Großmann, denen außer weiter-so-wie-immer, Pöbeleien und Prozesse führen nichts einfällt, werden aus Deutschland wirklich eine Industrie-freie Zone machen.
Nein, keine Regierung, keine politische Entscheidung gefährdet den Wert und die Zukunft von RWE so sehr wie ein Konzerlenker, der die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat. Der heute, morgen und übermorgen auf die Technik von gestern und vorgestern setzt. Der seine Hausaufgaben nicht macht. Der nicht die Chancen sieht, sondern seine eigenen Probleme in den Vordergrund rückt.