Friedhelm Fragemann, Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses. Wer träumte als Kind nicht davon, Lokomotivführer zu werden... Aber spätestens mit dem Erwerb der ersten Monatskarte für das Bahnfahren und dem ersten Schnee-Winter oder Sonnen-Sommer kühlt die Liebe dann doch meist ab. Und wenn man dann noch als Stadt oder Investor versucht, mit der Bahn eine Lösung für eine marode Bahnhofsfläche zu finden, dann ist ganz viel Geduld gefragt.
Der Bahnhof Dorsten: marode, mittlerweile ein sozialer Brennpunkt, nicht behindertengerecht, ohne WC und Überdachungen für Bahnfahrer, matschige Wege bei Regen – er gibt ein mehr als trostloses Bild ab. Seit 2006 gibt es Pläne, den Bahnhof umzugestalten, die Umsetzung scheiterte aber bislang an der Dt. Bahn AG.
Das Bahnhofsgebäude ist mittlerweile verkauft, Investor Thomas Fründt hat die Immobilie erworben. Über den Stand der Dinge informierten Verwaltung und Investor den Umwelt- und Planungsausschuß (UPA) in seiner jüngsten Sitzung:
Die Rahmenplanung sieht eine Öffnung des Bahnhofsgeländes zum Busbahnhof hin vor. Angestrebt wird ein ebenerdiger Zugang zum alten Bahnhofsgebäude. Besitzer dieser Immobilie ist seit 2010 der Dorstener Investor Thomas Fründt, der auch die Zubringerstraße erworben hat. Im alten Bahnhofsgebäude plant Fründt im Erdgeschoß Gastronomie (ein entsprechender Absichtsvertrag mit einem Betreiber wurde bereits geschlossen), im Ober- und im Dachgeschoß sollen Büroräume entstehen. Unverzichtbar für die gastronomische Vermietung ist eine Außenfläche für die warmen Monate. So, wie die Gleise heute liegen, läßt sich eine gastronomische Außenfläche nicht realisieren. Dazu müssten die Gleise von der West- auf die Ostseite verlegt werden – und hier wird es nun kompliziert. Denn es kommt die Dt. Bahn AG ins Spiel.
Die Rahmenplanung wurde 2006 aufgenommen – damals signalisierte die Bahn, daß sie ab 2012/ 2013 auf den Elektronischen Stellwerks-Betrieb umstellen würde. Der Vorteil: Die neue Technik hätte die Verlegung der Gleise von West nach Ost sehr viel einfacher gemacht. Im weiteren Planungsverfahren zog sich die Dt. Bahn AG von dieser Zusage zurück. Die Überplanung des gesamten Bahnhofgeländes stockte.
Um Bewegung in die festgefahrene Planung zu bringen, entwickelte die Stadt eine Kompromiß-Lösung, die sog. Variante 2b. Diese sieht vor, das Gleis für den Zug von Borken nach Essen auf die Ostseite zu verlegen. Die durchgehenden Züge würden dann komplett auf der Ostseite verkehren. Für die in Dorsten endenden Züge aus Dortmund, Coesfeld und Oberhausen werden sog. Stumpfgleise errichtet. Zwei dieser Gleise liegen auf der Westseite und erfordern als Sicherheitsreserve sog. Durchrutschwege. Der Nachteil dieser Lösung: Statt eines breiten Platzes zum Busbahnhof hin würde zwischen den beiden Durchrutschwegen nur ein rund 3 m breiter Übergang zum Busbahnhof möglich sein. Der aber immerhin Tunnelfrei. Der Vorteil dieser Lösung: Die funktioniert auch unabhängig vom Elektronischen Stellwerks-Betrieb.
Auf Nachfrage von SPD-Ausschußsprecher Dirk Schult erklärte Investor Thomas Fründt, daß er mit dem nur 3 m breiten Übergang leben könne.
So weit, so gut? Nicht ganz. Denn in der Vorwoche gab es Zeichen von der Dt. Bahn AG, jetzt eventuell doch noch den Elektronischen Stellwerks-Betrieb in Dorsten einzurichten. Bliebe es bei dieser Entscheidung, stünden den Planern ganz andere Möglichkeiten offen.
Wie soll es nun weiter gehen? Investor Thomas Fründt hat 2010 einen Bauantrag gestellt und will noch in diesem Jahr mit den Arbeiten an der Fassade und im Erdgeschoß beginnen. Bis dahin sind aber noch einige Gespräche mit der Dt. Bahn AG zu führen. Zum einen muß die im Bahnhofsgebäude enthaltene Bahntechnik (Telekommunikation, Signale, Licht, Lautsprecher) zurückgebaut werden, zum anderen sind Kaufverhandlungen für die Außengastronomieflächen zu führen.
Und dann haben Bahn und VRR noch eine ganz besondere Forderung: Sie fordern eine Streckenleistungsfähigkeitsanalyse für die Gleisverlegungen bzw. die geplanten Gleise der Variante 2b. Bahn und VRR wollen wissen, was die Planungen für Auswirkungen auf die Umsteige- und Fahrtzeiten haben. Es ist nicht auszuschließen, daß im Rahmen dieser Analyse noch Änderungen am gesamten Konzept notwendig werden…