Spät war es, als sich Donnerstag das Bürgerforum in Holsterhausen auflöste. Erst kurz vor Mitternacht endete das Forum, zu dem der Bürgermeister eingeladen hatte. Einziges Thema: Das geplante Bauvorhaben „Am Steinwerk“. Die Fa. Odas plant dort die Errichtung eines Standortes zur Produktion von Düngemitteln, zur Erzeugung von Biogas und einen neuen Firmenstandort.
Der Abend brachte eine neue Erkenntnis und bestätigte eine alte. Neu ist: Odas verzichtet auf den Einsatz von Gülle. Aber auch diese neue Tatsache konnte die breite Ablehnungsfront nicht aufweichen – die Anwohner, jedenfalls die, die in der Gaststätte Adolf zusammenströmten, lehnen das Bauvorhaben nach wie vor ab.
Sie sorgen sich um ihre Gesundheit (Verbreitung von Bakterien, Pilzen und Viren), um ihre Lebensqualität (Geruchsbelästigung, Lärm durch an- und abfahrende LKWs), um den Wertverlust ihrer Häuser – und um ihr Naherholungsgebiet, durch das sie dann nicht mehr spazieren gehen können.
Ihre Sorgen konnten die vortragenden Gutachter, die Sachbearbeiter bei der Stadt Dorsten und dem Kreis Recklinghausen (der ist für die Baugenehmigung in diesem Verfahren zuständig), der Investor und auch der Bürgermeister nicht zerstreuen. Auf besonderes Unverständnis stieß, daß der Investor – jedenfalls derzeit – auf Einhausungen verzichtet. Dadurch könnten eventuelle Geruchsbelästigungen gemindert werden.
Am Ende eines emotionalen Abends hatten auch die im Podium sitzenden Vertreter der Politik das Wort. Für die SPD bezog Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann Position. „Das ist leider kein politisches Verfahren (Anm.: über die Baugenehmigung oder über evtl. Auflagen entscheiden weder Rat noch der Kreistag), sondern ein reiner Verwaltungsakt. Der Politik sind hier die Hände gebunden“. Fragemann verspricht aber, dieses Bauvorhaben politisch zu begleiten, immer wieder kritisch nachzufragen. Fragemann rügte weiterhin die Informationspolitik - „Selbst die Kommunalpolitik wurde erst sehr spät informiert.“ Zuvor hatte Susanna Simmerl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, in der Diskussion die Einrichtung einer Lenkungsgruppe angeregt. Diese soll sich aus Vertretern von Verwaltung, Politik, Investor und betroffenen Anwohnern zusammensetzen und Möglichkeiten ausloten, an welchen Stellen Verbesserungen für die Anwohner möglich sind.
Wie geht es weiter? Das Baugenehmigungsverfahren ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Der Kreis prüft noch die Unterlagen. Von Seiten der Politik gibt es keine Eingriffsmöglichkeiten mehr. Wehren können sich die Anwohner erst, wenn eine Baugenehmigung erteilt wird. Gegen diese könnten sie dann klagen.