Die SPD wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Wir haben „unseren“ Geburtstag groß am 7. Juni im Gemeinschaftshaus Wulfen gefeiert. In 50 Minuten nahmen die Jusos die Gäste mit auf eine Zeitreise durch eineinhalb Jahrhunderte Partei-Geschichte. Begleitet von Musik, Bildern und Film-Ausschnitten wurden die wichtigsten Stationen präsentiert. Wir veröffentlichen den Vortrag in loser Folge – zum Nachlesen. Viel Vergnügen!
Deutschland ist eine Ruinenlandschaft, die Siegermächte teilen das Land in vier Zonen, demontieren Industrie- und Verkehrsanlagen, versuchen die Menschen durch Entnazifizierung umzuerziehen. Sozialdemokraten hatten schon vor der Kapitulation damit begonnen, ihre Partei zu reorganisieren, zusammen mit den Gewerkschaften organisieren sie Kundgebungen und Streiks gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch die Demontage. Von Anfang an stehen Sozialdemokraten an der Spitze beim Aufbau einer neuen Demokratie.
Ihr erster Vorsitzender ist Kurt Schumacher.
Auch in Dorsten steht die SPD wieder auf.
Direkt nach der Befreiung durch die Briten und Amerikaner, noch vor Ende des Krieges organisierte sich die SPD in Dorsten neu. Das beweist dieses Parteibuch vom 1. April 1945.
1959-1976. Das Ende der Ära Adenauer ist gekennzeichnet durch Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Lange Jahre einseitiger, konservativer Politik haben den Bildungsnotstand unübersehbar gemacht. Politisch wächst eine neue Gefahr von rechts: die NPD. In dieser Zeit hilft die SPD wieder einmal den Karren aus dem Dreck zu ziehen: Sie geht 1966 in die Regierung der 1. großen Koalition als Juniorpartner.
Willy Brandt wird Außenminister. Die Stimmengewinne der SPD 1961 und 1965 hatten für einen Machtwechsel nicht ausgereicht.
1969 ist es endlich soweit: Willy Brandt wird erster sozialdemokratischer Kanzler der Bundesrepublik. Mit einem Satz beschreibt er ein Programm, das heute noch hoch aktuell ist:
Seine Politik der Verständigung und des Ausgleichs auch mit den östlichen Nachbarn und die Politik der inneren Reformen machen die Bundesrepublik international handlungsfähig und in vielen Bereichen zu einem Modell für andere.
Nach einem Wahlkampf, in dem die SPD wie nie zuvor durch bekannte Persönlichkeiten außerhalb ihrer Reihen unterstützt wurde, errang sie am 28. September 1969 42,7% der Stimmen. Es kam zur Koalition mit der FDP, der eine mächtige Opposition aus CDU/CSU gegenüberstand.
Erstmals in der Nachkriegsgeschichte wurde mit Willy Brandt ein Sozialdemokrat deutscher Bundeskanzler. Ihre bedeutendsten Leistungen vollbrachte die Regierung auf außen- und sozialpolitischem Gebiet. Dazu gehören die Verträge von Moskau, ein modernes Betriebsverfassungsgesetz und vieles mehr.
Willy Brandt schafft mit seiner Politik neues Ansehen für Deutschland.
Der Mann, der im Kampf gegen den Nationalsozialismus Freiheit und Leben einsetzte, zeigt mit seinem Kniefall vor dem Getto-Denkmal wortlos die Last einer verbrecherischen Rassenpolitik und gedenkt der Millionen Menschen, die im deutschen Namen ermordet worden sind.