Die SPD wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Wir haben „unseren“ Geburtstag groß am 7. Juni im Gemeinschaftshaus Wulfen gefeiert. In 50 Minuten nahmen die Jusos die Gäste mit auf eine Zeitreise durch eineinhalb Jahrhunderte Partei-Geschichte. Begleitet von Musik, Bildern und Film-Ausschnitten wurden die wichtigsten Stationen präsentiert. Wir veröffentlichen den Vortrag in loser Folge – zum Nachlesen. Viel Vergnügen!
Am 19. Januar 1919 werden die Wahlen zur Nationalversammlung durchgeführt.
Zum ersten Mal dürfen in Deutschland auch Frauen wählen. Ein Erfolg der langjährigen SPD-Bemühungen.
Am 11. Februar 1919wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode inne.
In Dorsten kämpfen die Sozialdemokraten für eine konfessionsfreie Schule.
Ein Schulstreik von Eltern aus Holsterhausen und Hervest nach den Sommerferien 1920 gab den Anstoß. Die Auseinandersetzung dauerte fast ein Schuljahr, bevor eine Freie Schule mit Genehmigung durch Kultusminister und Bezirksregierung möglich wurde.
Da das Ziel der Eltern, ein human pädagogischer Umgang der Lehrer mit den Schülern war, wurde die „Freie Baldurschule“ im Februar 1933 durch die Nazis aufgelöst. Der Brutalität der Nazis gegenüber war die SPD nicht gewachsen. Mit Veranstaltungen, in denen die SPD bereits 1932 auf totalitäre Tendenzen verwies, war die Diktatur nicht zu verhindern.
Wir fragen: „Warum konnten die Nazis, auch in Dorsten, so dominant werden?
Die Ausgangssituation:
Mit der Weltwirtschaftskrise beginnt der Auflösungsprozess der Republik. 1931/32, als die Krise in Deutschland den Höhepunkt erreicht, ist die industrielle Produktion stark gedrosselt.
Es gibt rund 17000 Konkurse (meist sind kleine Betriebe betroffen) und etwa 6 Millionen Arbeitslose. Der Streit um Arbeitslosen- und Sozialversicherung gegen Großindustrie und Rechtsradikale führt zum Sturz der letzten rein parlamentarischen Reichsregierung im März 1930.
Nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialisten im September 1930 (18,3%) und der Zuspitzung der Wirtschaftskrise schritt der republikanische Verfallsprozess immer weiter fort. Die Sozialdemokratie befand sich in den frühen 30er Jahren in doppelter Frontstellung: gegen die Diktatur von rechts und links.
Am 30. Januar 1933 wurde der NSDAP-Führer Adolf Hitler Reichskanzler.
Bei der Reichstagsabstimmung über das „Ermächtigungsgesetz“ am 23. März 1933 stand die Sozialdemokratie als einzige Partei fest zu Idee und Auftrag der Demokratie. Ihre 94 anwesenden Abgeordneten stimmten geschlossen mit „Nein“.
Der Parteivorsitzende Otto Wels erklärte am Schluss seiner Rede:
Danach begann der Terror. Nicht versteckt, sondern öffentlich.
Sage keiner, er habe nichts davon gewusst. In ganz Deutschland und auch hier bei uns in Dorsten.
Die Auflösung der SPD in Dorsten und aller verbundenen Freizeit- und Sportvereine war eine der ersten Aktionen der Nazis. Einher gingen Schikane, Verfolgung und Verhaftung von Sozialdemokraten.
Die SPD konnte nur noch im Untergrund weiter arbeiten.