Jennifer Schug - Rede vom Parteitag 11.06.2016

Stadtverband


Jennifer Schug

Liebe Genossinnen und Genossen,

 

wie Ihr alle wisst, kandidiere ich für die Position der Vorsitzenden des Stadtverbandes. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Euch vor dieser Wahl kurz noch mehr über mich bzw. über meine politischen Ziele und meine Motivation zu erzählen.

 

Viele von Euch kennen mich bereits von meiner Arbeit im Fraktionsbüro. Außerdem war ich in den vergangenen Wochen, zusammen mit Inge Zobec, die heute für das Amt der Geschäftsführerin kandidiert, in einigen Ortsvereinen, um mich dort persönlich vorzustellen bzw. um die Mitglieder der Dorstener SPD vor Ort und ihre Arbeit kennen zu lernen.

 

Daher jetzt nur noch ein paar kurze Worte zu meiner Person: Mein Name ist Jennifer Schug, ich bin in Dorsten aufgewachsen. Nach dem Besuch der Deutener Grundschule und des Gymnasium Petrinum habe ich in Münster Jura studiert und danach, als Rechtsanwältin, in den Personalbereichen größerer mittelständischer Unternehmen gearbeitet. Nach der Geburt meines 2. Kindes habe ich mich vor allem auf meine - mittlerweile - 3 Kinder konzentriert und mich nebenbei in diversen Gremien, wie Kindergarten-, Schulpflegschaften etc. engagiert. Vor 9 Jahren sind meine Mann und ich dann in das Marienviertel in Hervest gezogen, wo wir bis heute mit unserer Kindern und unseren Hunden wohnen. 

Ende 2014 traf ich auf einer Veranstaltung der Wichernschule  Friedhelm wieder, den ich noch aus meiner Schulzeit kannte. So kam es, dass ich ab Januar 2015 begann, für die Dorstener SPD als Referentin im Fraktionsbüro zu arbeiten und Kommunalpolitik hautnah mitzuerleben.

 

Gleichzeitig war das Jahr 2015 für mich ganz wesentlich geprägt von dem Kampf für den Erhalt der Wichernschule. Als eine der Initiatoren des Bürgerbegehrens hatte ich in dieser Zeit intensiv Gelegenheit, Einblicke in die Dorstener Politik sowie in die Arbeit der Stadtverwaltung zu bekommen. Ich habe viel gelernt und tatsächlich auch viel Spaß dabei gehabt, zusammen mit einem engagierten Team etwas zu bewegen.

 

Seit der Bekanntgabe meiner Kandidatur bin ich immer wieder gefragt worden, welche konkreten Ziele und Pläne ich für den Dorstener Stadtverband habe. Vielleicht wundern sich einige von Euch, warum ich meine Antwort darauf bisher bewusst vage hielt.

 

Vor ca. 3 Wochen hat die Dorstener Zeitung ein kurzes Interview mit mir abgedruckt. Für dieses Interview hat Herr Diebäcker als Überschrift einen von mir etwas provokanten, aber durchaus bezeichnenden Nebensatz gewählt: "Ich haben einen Hang dazu, mich einzumischen".

 

Es stimmt, ich habe tatsächlich einen Hang, mich einzumischen. Das macht mich vielleicht manchmal zu einer unbequemen Person, aber es macht mich auf jeden Fall zu einer engagierten Person, die Dinge hinterfragt, diskutiert und ggf. versucht sie zu ändern.

 

Aber eine Person alleine kann niemals, oder jedenfalls nur sehr selten, wirklich etwas bewegen. Und das muss und will ich auch gar nicht.

 

Denn jeder der hier sitzt und jedes Mitglied der Dorstener SPD hat ebenfalls einen Hang dazu sich einzumischen! Dieser Hang ist vielleicht mal stärker und mal schwächer, aber er ist grundsätzlich vorhanden. Und diesen Hang sich einmischen zu wollen, müssen wir verstärkt nutzen und aktivieren, um als Dorstener SPD wieder näher zusammenzurücken, unsere Kräfte zu bündeln und so den Bürgern dieser Stadt die sozialdemokratische Politik wieder näher zu bringen.

 

Ich bin der Ansicht, dass jeder der mich fragt, was meine konkreten Pläne für den Stadtverband sind, das Engagement, den Wert der Arbeit und das Potential der einzelnen Ortsvereine verkennt und unterschätzt. Ich habe in den vergangen Wochen verschiedene Ortsvereine besucht, ihre Versammlungen beobachtet und mich ausführlich mit einzelnen Mitgliedern unterhalten.

 

Ich sehe die Funktion der Vorsitzenden des Stadtverbandes keinesfalls als "Vortänzer-Rolle". Und das ist auch gar nicht notwendig! Ihr könnt Euch sicher sein, dass ich sehr viele Ideen beisteuern werde. Ich werde mit Elan und Engagement an die Arbeit gehen und gewiss meinen Beitrag leisten.

 

Aber selbst auf meiner kurzen Vorstellungsrunde in den Ortsvereinen in den vergangenen Wochen, wurden auf Anhieb diverse Ideen und Vorschläge für die Arbeit des Stadtverbandes an mich heran getragen. Die Themen sind vielfältig: da geht es ganz viel um Kommunikation,  um die Erneuerung von Strukturen, um das Näherrücken der Ortsvereine, um finanzielle Unterstützung, um Informationsfluss vom Stadtverband zur Fraktion und umgekehrt usw. 

 

Ob und welche Themen wir als erstes angehen werden und wie wir vorgehen, das werden wir als Team, bestehend aus dem Vorstand und dem gesamten Stadtverband, besprechen und beschließen.

 

Meine einzige wirklich konkrete Aussage zu diesem Zeitpunkt ist: 

 

Wir brauchen eine Veränderung! Wir müssen uns von alten Strukturen lösen und gemeinsam einen Neuanfang starten!

 

Die zweite Frage, die mir immer wieder gestellt wurde, ist die nach meiner Motivation.

 

Diese ist für mich leicht zu beantworten: Der Schritt heute für den Stadtverbandsvorsitz zu kandidieren, ist eigentlich nur die logische Konsequenz meines sozialen Empfindens und meiner Persönlichkeit.

 

Und wie könnte ich Euch das besser beweisen, als mit meiner alten Abi-Rede. Die Rede, die ich – 1993 - auf meiner Abitursfeier am Petrinum als Stufen- und Schulsprecherin gehalten habe. 

 

Ich möchte Euch gerne Auszüge aus dieser sehr politischen Rede vorlesen:

 

"Ich halte heute mein Abiturzeugnis in der Hand. Meine Schulzeit ist beendet und ich frage mich: Wo stehe ich?

 

Wo stehe ich in einem Land, in dem das Fremde, das Anderssein nicht als Bereicherung empfunden wird, sondern Hass und Gewalt hervorruft?

 

Wo stehe ich in einem Land, in dem Mörder gleichgültig-passive Zuschauer finden?

 

Wo stehe ich in einem Land, in dem Zivilcourage und Verantwortung oft fehlen?

 

Wo stehe ich in einem Land, in dem Politik und Kirche nicht deutlich genug Stellung beziehen?"

 

Gerade heute, an einem Tag der Freude, des Stolzes und der Zuversicht, erscheint es mir zwingend auf die Brandanschläge gegen türkische Mitbürger - bedingt durch die rechtsradikalen Tendenzen - in unserem Land einzugehen.

 

Vaclav Havel, tschechischer Menschenrechtler, sagt: „Der kollektive Hass besitzt eine Anziehungskraft auf Menschen, die schwach und egoistisch sind und unfähig zu selbständigem Denken. Er befreit solche Menschen aus ihrem Gefühl der Schwäche. Es ist doch so einfach zu sagen das Unglück der Welt hätten Schwarze, Zigeuner, Juden oder Deutsche verursacht. Und man findet in jeder Gruppe immer genügend Deutsche, Schwarze, Zigeuner oder Juden, an deren Verhalten man diese Idee belegen kann. 

 

Am leichtesten sind Menschen, denen es Schlecht geht, wirtschaftlich oder seelisch, für kollektiven Hass zu gewinnen. Der Kollektivhass zielt auf eine ethnische Gruppe: einzelne Menschen werden Angriffsziel des Hasses nur aufgrund ihrer Herkunft.

 

Hier denke ich, liegt die Aufgabe in der Erziehung, die gerade auf Seiten der Schule in den Mittelpunkt rücken muss. Wissen allein genügt nicht, Bildung allein genügt nicht. Moralische und ethische Werte müssen die Erziehung durchdringen, mehr als es bis jetzt der Fall ist.

 

Erziehung sollte wegführen von Einzelkämpfertum, Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber anderen und hinführen zu Teamgeist, Verantwortungs- und Mitgefühl und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen.

 

Mitgefühl heißt auch mitleiden. Sind wir überhaupt noch in der Lage, uns vorzustellen, was es für Flüchtlinge bedeutet, ihr Land zu verlassen, weil sie Hunger leiden oder politisch verfolgt sind? Verdienen diese Menschen nicht unsere Achtung und Solidarität? Ist es nicht auch ihr Recht, keinen Hunger leiden zu müssen und frei zu sein?“

 

Zitatende – Bis hier hin erst einmal der Auszug aus meiner Abi-Rede.

 

Es macht mich sprachlos und erschreckt mich maßlos, dass diese 23 Jahre alte Rede heute noch genau so, ohne irgendeine Veränderung passender und aktueller ist denn je.

 

Schon vor 23 Jahren, als ich erstmals intensiv über meine Zukunft nachdachte, habe ich sehr klar erkannt, dass sich gesellschaftlich und politisch in unserem Land ganz viel bewegen muss. Und ich kann für mich sagen, dass ich in meinem Umfeld seit her immer versucht habe, die Dinge zu verändern.

 

Aber hier und heute möchte ich gerne die Chance nutzen um mein Engagement und meine Kraft in Form von parteipolitischer Arbeit umzusetzen und so, gemeinsam mit Euch, auf höherer und breiterer Ebene etwas zu bewegen und zu erreichen. 

 

Ich werde alles dafür tun, dass meine und alle anderen Kinder sich in ihrer Schulabschlussrede leichteren und unbeschwerteren Dingen zuwenden können.

 

Ihr seht, die Themen Flüchtlinge, Integration und Ausländerfeindlichkeit sind Themen, die mir persönlich – insbesondere auch für Dorsten – am Herzen liegen.  Natürlich habe ich, wie jeder von Euch, auch weitere politische Ziele für Dorsten und seine Bürger, die ich dringend angehen und umsetzen möchte. Eng mit den gerade genannten Themen verbunden und mir ebenfalls sehr wichtig, ist die Dorstener Schullandschaft. Wir dürfen nicht zulassen, dass durch die Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Zwei-Klassen-Beschulung entsteht und die so wichtige Integrationsarbeit einigen wenigen Schulen überlassen wird. Im Gegenteil, wir müssen uns stark machen für Integrationsarbeit im schulischen Bereich, die weit über reine Bildung hinausgeht und allen Dorstener Kindern zugute kommt. 

 

Ich könnte jetzt noch lange so weiter machen - von Stadtteilverödung über alternative Energien bis hinzu Infrastruktur für Senioren. Es gibt viele Baustellen und ich glaube fest daran, dass wir sie gemeinsam angehen werden.

 

Aber lasst mich jetzt meine Rede beenden mit der gleichen Geschichte bzw. den gleichen Worten wie meine Rede 1993. Ich zitiere darin Elie Wiesel, den Friedensnobelpreisträger von 1989, entnommen aus einer seiner Reden an Schüler und Studenten:

 

„Er ruft in dieser Rede zur Einhaltung der ethischen Normen und zu Engagement auf und sagt, dass man Worte vergisst, nie aber eine Geschichte. Es ist die Geschichte von einem Schüler, der zu seinem Lehrer Rebbe kam:

 

„Rebbe“, sagt der Schüler, „es gibt etwas, das ich einfach nicht verstehe. Gott brauchte 6 Tage, 6 endlose Tage, um die Welt zu erschaffen. Nun schauen wir sie an! Sie ist schrecklich. Sie ist verdorben, grausam, unmenschlich.“ Der Meister blickt seinen Jünger an und erwidert ihm sichtlich verärgert: „Kannst du es besser?“

 

Von diesem Augenblick an fühlte der Schüler, dass er Unrecht hatte, denn er spürte, was sein Lehrer ihm sagen wollte. Er stammelte: „Ich glaube schon.“

 

„So“, fuhr ihn der Meister an, „Du kannst es also besser? Worauf wartest du dann noch? Mach dich auf. Geh an die Arbeit – sofort!“

 

In diesem Sinne rufe ich deshalb uns alle auf: 

 

Liebe Genossinnen und Genossen, machen wir uns an die Arbeit – sofort!“

 
 

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Termine

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OV Vorsitzende

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Nina.Horbet@spd-dorsten.de

 

Stadtverband

Stephan Erbe                                                                                                                    komm. Stadtverbandsvorsitzender

stephan.erbe@spd-dorsten.de

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