Friedhelm Fragemann, SPD-Fraktionsvorsitzender. Kommunale Energieversorgung, kommunale Energiewende - die Zeit ist reif, daß endlich etwas passiert, daß sich etwas ändert. Das gilt für ganz Dorsten, besonders aber für den Stadtteil Barkenberg mit seinen Nachtspeicherheizungen. In einem offenen Brief wandte sich die Dorstener SPD nun an den Energieriesen RWE:
Sehr geehrte Frau Allnoch,
die Dorstener SPD (Partei und Ratsfraktion) hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der örtlichen Energiepolitik, ihren Chancen und Risiken, auseinandergesetzt.
Die nach der Fukushima-Katastrophe ausgerufene Energiewende, die aus unserer Sicht alternativlos ist, ist aber leider bisher von der amtierenden Bundesregierung dilettantisch gemanagt worden.
Die Energiewende wird aber nur gelingen und zu einer ökologischen und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte, besonders auch für den Export, wenn es ein abgestimmtes Verfahren in den Kommunen, den Ländern und dem Bund gibt.
In Dorsten haben wir mit der Übernahme des kommunalen Stromnetzes und der Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft mit RWE den wichtigen Einstieg in den Umstieg geschafft.
RWE ist nicht nur Grundversorger (Strom, Gas, Wasser), sondern auch wichtiger Partner der Stadt auf vielen Gebieten.
Wir haben positiv zur Kenntnis genommen, dass sich die Geschäftspolitik des RWE-Konzerns entscheidend geändert hat, indem neben dem Betrieb von Großkraftwerksanlagen künftig auch den kleinen Einheiten mit regenerativer Energieerzeugung mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, dem Dorstener Stadtteil Wulfen-Barkenberg besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Eine Modernisierung bzw. mögliche Umwandlung des Nachtspeicherheizungssystems in ein zukunftsweisendes Speicherheizsystem und der Erhalt der so genannten Kalten Nahwärmeerzeugung für 71 Wohnhäuser mit weit über 100 Wohneinheiten stehen hier auf der aktuellen Tagesordnung.
Die Stadt Dorsten erstellt zurzeit mit der Beratungsfirma pro:21 und mehreren Bürgern (Expertenrunde) ein Klimaschutzkonzept. In der vorgestellten Potenzialanalyse wird, neben vielen anderen Maßnahmen, auch die Heiz-Versorgung mit Wärmepumpen als wichtiger innovativer Baustein einer kommunalen Energieversorgung, unter Berücksichtigung des Klimaschutzes, aufgeführt.
Die jetzt von RWE getroffene Entscheidung, die zentrale Wulfener Pumpstation wegen vermeintlicher Unwirtschaftlichkeit abzuschalten, sollte daher noch einmal vorbehaltlos überprüft werden, wobei die Wirtschaftlichkeit der Anlage durch Ausweitung (höhere Anzahl von Nutzern) verbessert werden könnte.
Wir schlagen Ihnen vor, den Meinungsaustausch mit der Verwaltung, der Dorstener Kommunalpolitik und den Bürgern zu intensivieren.
Unser Ziel ist die Modernisierung der Nachspeicherheizungen sowie Erhalt und Ausbau der Versorgung mit Kalter Nahwärme, wie im Klimaschutzkonzept aufgeführt.
Wir hoffen auf einen aufgeschlossenen RWE-Versorger und einen kreativen Dialog, um die Kommunale Energiewende im Sinne des Klimaschutzes gemeinsam voranzubringen.
Mit freundlichem Gruß
Michael Baune, Friedhelm Fragemann