Dirk Schult, Vorsitzender der SPD Holsterhausen. Seit Freitag kennt die Welt nur noch ein Thema: Die Bonität der USA ist von AAA (vergleichbar mit der Schulnote „sehr gut“) auf AA+ (Schulnote gut plus) herunterbewertet worden. Was einem Schüler vermutlich ziemlich egal ist, sorgt seitdem an den Börsen für Kursstürze ungeahnten Ausmaßes. Die Medien überschlagen sich mit Meldungen, Eilmeldungen, Sondermeldungen – beinahe im Minutentakt.
Was so gut wie NICHT in den Medien vorkommt:
- In London brennen Häuser. Junge Menschen protestieren und randalieren – warum?
- Am Horn von Afrika hungern Menschen. Und sterben. Warum schreitet die Weltgemeinschaft nicht ein?
- In Spanien, in Israel demonstrieren 10.000 und 100.000 Menschen gegen eine Politik, die ihnen keine Zukunftsperspektiven mehr bietet. Wie sieht die Lage in Spanien, in Israel aus?
- In Deutschland wollen die Mitarbeiter der Flugsicherung streiken. Welche Forderungen stellen sie? Und warum haben Fluglotsen in der Vergangenheit nicht gestreikt?
Antworten auf diese Fragen? Hintergrundinformationen? Fehlanzeige. Das Schicksal von Menschen scheint medial nicht so interessant zu sein wie fallende Aktienkurse…
Wie wäre es, einfach mal die Berichterstattung aus den Börsen abzustellen? Und stattdessen stündlich und minütlich über brennende Häuser, demonstrierende Jugend, verhungernde Menschen und streikbereite Fluglotsen berichten? Denn das sind die wirklich wichtigen, die wirklich bewegenden Themen dieser Tage.
Und nicht die Folgen enthemmter, nicht kontrollierter Anlegergier. Die Fondsmanager haben bereits vor 3 Jahren die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes gezockt (Stichwort: Lehmann Brothers). Die Staaten reagierten damals mit teueren, auf Pump finanzierten Rettungsprogrammen. Die Folge: sprunghaft steigende Staatsschulden. Und es sind nun genau diese Schulden, die für das Chaos an den Börsen mitverantwortlich sind.
Eine Frage von oben läßt sich übrigens ganz einfach beantworten. Nämlich die, warum Fluglotsen in der Vergangenheit nicht gestreikt haben. Die Fluglotsen, die arbeiteten nämlich mal für eine staatliche Behörde. Sie waren Beamte. Und durften nicht streiken. Jetzt ist die Flugsicherung privatisiert worden – und die Fluglotsen dürfen nun streiken… Dabei geht es in diesem Arbeitskampf nicht in erster Linie um höhere Gehälter, sondern um die Arbeitsbedingungen für die Fluglotsen. Zum Beispiel um die vielen Überstunden. Und das ist auch eine Frage von Sicherheit für alle Passagiere. Aber darüber informieren die Medien nicht. Sie haben schließlich ein wichtigeres Thema. Ob der DAX in der letzte Stunde nun 6,2 % verloren hat – oder ob es doch 6,25 % waren…