Dirk Schult, SPD-Ratsherr aus Holsterhausen. Preisfrage: Welche ist die zweitgrößte Stadt in Europa ohne Bahnanschluß? Nein, nicht Mainz. Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt hat einen hübsch renovierten Bahnhof und sogar ICE-Anschluß. Eigentlich. Seit Tagen jedoch fährt kaum ein Zug von und nach Mainz. Der Grund: In der Urlaubszeit fallen zusätzlich noch Mitarbeiter im Stellwerk wegen Krankheit aus. Die Saat Mehdorn geht auf…
Ex-Bahn-Chef Mehdorn hatte die Bahn um die Jahrtausendwende herum auf Rendite getrimmt. Personalabbau, Sparen bei Wartung und Reparaturen – das war gut für die Bilanz, aber schlecht für die Fahrgäste. Heute reichen ein paar Krankmeldungen, um eine ganze Stadt und Region vom Bahnnetz zu trennen.
Mehdorn ist weg, doch sein Geist weht nach. Anders jedenfalls ist der öffentliche Auftritt vom Bahn-Vorständler Weber nicht zu erklären. Die Bahn tue alles, um wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelagen – so Weber. Bahn und Wasser – Millionen Pendler wissen, daß Wasser in Form von Regen, Hagel und Schnee ganz ganz schlecht für´s Bahnfahren sind. Aber Weber legte noch einen drauf: Es ginge um den guten Ruf der Bahn. Den GUTEN Ruf. Pendler haben nun die Wahl. Der „gute Ruf“ – das kann einerseits ein makabrer Scherz sein. Andererseits könnte es jedoch auch eine Drohung sein!
Um es klar zu formulieren: Die Bahn hat keinen guten Ruf! Dafür ist ihr Krisenmanagement miserabel – und die Gründe für manch Chaos sind schlicht hausgemacht. Hier ist der Eigentümer gefordert – der Bund. Ihm „gehört“ die Dt. Bahn AG. Der Eigentümer darf, nein muß die Ziele und die Strategie vorgeben. Soll die Bahn Daseinsvorsorge betreiben – oder soll sie maximale Rendite liefern? Beides zusammen geht nicht.
Und nun die Auflösung der „Preisfrage“: Die größte Stadt in Europa ohne Bahnanschluß ist Reykjavik. Und die zweitgrößte Stadt liegt im Kreis Recklinghausen – Herten.