Dirk Schult, Ratsherr der SPD Holsterhausen. Bahn sucht die Schuldigen – so titelte die WAZ in ihrer Samstags-Ausgabe. Eine Woche nach dem Evakuieren des ersten völlig überhitzten ICE-Zuges weiß die Bahn also immer noch nicht, was die aktuelle Pannenserie und den Image-GAU ausgelöst hat. Einen Tag zuvor äußerte sie immerhin schon einen ersten Verdacht: der Klimawandel sei schuld… Also wieder einmal das Wetter – wie im Herbst, wenn überraschenderweise Blätter von den Bäumen fallen, oder wie im Winter, wenn aus unerklärlichen Gründen die Temperaturen sinken und Schnee fällt. Wetterfrösche erklären die Bahn… Aber was haben brechende Achsen und abfallende Zugtüren mit dem Wetter zu tun? Hier tappen die Bahn-Wetterfrösche noch völlig im Dunkeln.
Vielleicht gibt es ja einen Zusammenhang zwischen all diesen Problemen und der Unternehmensstrategie. Nämlich an die Börse zu wollen. Und dafür Kosten zu senken und zu sparen. Da wird Personal in den Werkstätten abgebaut, da werden Wartungsintervalle verlängert. Aber wo steht geschrieben, daß die Bahn an die Börse MUSS? Oder wo steht geschrieben, daß die Bahn weltweit aktiv sein MUSS?
Man frage doch mal die Bahnkunden, was sie von ihrer Bahn erwarten. Die Antwort lautet vermutlich: sie wollen sicher, bequem, schnell und zuverlässig befördert werden. Und zwar nicht irgendwo auf der Welt, sondern vor ihrer Haustür. In Deutschland. Und das klappt schon hier im Ruhrgebiet oft genug nur mehr schlecht als recht. In Berlin ist die Situation noch sehr viel dramatischer. Wegen Problemen an den Bremsen mussten viele Züge aus dem Verkehr gezogen werden. Die Folge: Zugausfälle im gigantischen Ausmaß. Die Ausfallquote war ungefähr so hoch wie zuletzt im April 1945. Damals stand die Rote Armee vor Berlin, Berlin lag unter russischem Trommelfeuer. Heute liegt der Berliner Nahverkehr unter dem Trommelfeuer einer unsinnigen Bahn-Sparstrategie.
Und wie sieht es bei einem weiteren ehemaligen Staatsunternehmen aus, nämlich der Post? Die gibt bundesweit ihre eigenständigen Postfilialen auf. Nach und nach verschwinden die Postämter, zurück bleiben kleine Geschäft-in-Geschäft-Lösungen in den Innenstädten. Die Post als Untermieter, oft genug ohne Bankdienstleistungen. Kundeninteressen spielen da nur noch eine untergeordnete Rolle, wie in Dorsten. Da erhalten Postbankkunden an der Dorstener Post keine Kontoauszüge mehr, Kunden können die Post nicht mehr mit dem Auto anfahren, um z. B. Pakete abzugeben. Die SPD Dorsten nennt dieses Konzept „Kinderpost“. Wir haben dieses Konzept bereits frühzeitig kritisiert und scharfe Reaktionen der Post AG erfahren. Es wird Zeit, daß Kunden sich wehren. Beschwerden und Proteste sind eine Möglichkeit – eine andere das Nutzen von Konkurrenzunternehmen. Denn im Gegensatz zum Quasi-Monopolisten Bahn gibt es im Postgeschäft einen eingeschränkten Wettbewerb.